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Redundant Features next
Ein Märchen

Als ich neulich wieder einmal nach dem Fehler in meinem HTML-Code suchte, mußte ich an das Märchen vom Aschenputtel denken. Die Stiefmutter leert eine Schüssel Linsen in die Asche und Aschenputtel soll sie wieder herauslesen. Was für eine Sisyphusaufgabe, eigentlich nicht zu bewältigen, eine endlose Wiederholung derselben Prozedur.

Der Geschichtenerzähler hat ein Einsehen und schickt Aschenputtel einen Schwarm Tauben, die ihr helfen. Sie picken die guten Linsen in Windeseile heraus. Später werden die Tauben nocheinmal ihren untrüglichen Sinn für Gerechtigkeit unter Beweis stellen und den bösen Schwestern die Augen aushacken:

"Und waren sie also für ihre Bosheit und Falschheit mit Blindheit auf ihr Lebtag bestraft."
aus: Aschenputtel der Brüder Grimm

Und Aschenputtel? Ihre Belohnung ist die Heirat mit dem Königssohn. Doch wird diese Hochzeit ihre Situation tatsächlich verändern? Von nun an wird sie Gold und Juwelen sortieren anstelle von Linsen oder Erbsen. Wo ist da der Unterschied?
Aschenputtel ist ein Abbild der Tugendhaftigkeit. Und so bekommt sie ihren Platz an der Seite des Repräsentanten der Macht, denn diese Macht stützt sich auf die gefügige Wiederholung der Regel von Gut und Böse.
Die Logik dieses Märchens ähnelt der Logik des Computers. Ein Rechner ist nichts anderes als Aschenputtel mit ihren Tauben: eine Zählmaschine, die zwischen Einsen und Nullen unterscheiden kann.
Er kalkuliert mit Quantitäten nach dem Prinzip der Äquivalenz. Der Input muss seiner binären Logik folgen. Kann der Output etwas anderes sein als das, was ich vorher eingegeben habe? Ist der Output eine identische Wiederholung des Inputs?

Kurzer Exkurs übers Zählen

Man kann nur zählen, indem man wiederholt, so wie ich diese Geschichte erzähle in Erinnerung an eine Begebenheit, die ich erlebt habe. Die Anzahl der Wiederholungen (1, 1 1, 1 1 1 1) wird mit einem Wert gleichgesetzt, z.B.: 1 = 1, 1 1 = 2, 1 1 1 = 3. Die Einheiten der Reihe (1, 2, 3,...), die sich dadurch ergibt, sind zwar in einem Wiederholungsprozess identischer Operationen entstanden, sind aber im Verhältnis zueinander ungleich. Sobald etwas gezählt wird, also in teilbaren Quantitäten bemessen wird, hat man es mit den Kategorien von Gleichheit und Ungleichheit zu tun.

Wenn eine Menge von etwas gezählt werden soll, muß sie in ihren Einzelheiten identifizierbar sein. Zählen impliziert Kategorien und Definitionen, nach denen das Gezählte sortiert wird.
Manche zählen um einzuschlafen....

Der Computer und die Aspekte der Erbse

Ich beschloss, den Computer mit seiner eigenen Reflektion zu kurzzuschließen. Was passiert, wenn ich einen Erbsenzähler anschließe?
Wird es den Zustand der Erbsen beeinflußen, wenn sie gezählt werden? Wird sich der Status des Rechners verändern, wenn er mit seiner eigenen Redundanz konfrontiert, sozusagen verdoppelt wird? Welche Bewegung würde die durch diese Kopplung hervorgerufene Resonanz auslösen?
In vielen Kulturen wurden kleine Gegenstände wie Steine oder Samen zum Zählen und später als Währung verwendet. Als Währung kursierend werden sie Teil einer symbolischen Ordnung: Innerhalb eines konstruierten Systems repräsentieren sie einen bestimmten Wert. Dieser Wert ermöglicht es, Dinge miteinander zu vergleichen und zum Beispiel damit Handel zu treiben.

Neulich sagte jemand zu mir: Du kannst mich auf symbolischer Ebene bezahlen; gib mir lieber ein paar Flaschen Wein statt Geld. Aber was ist eigentlich symbolischer: ein Stück Papier mit einer Nummer darauf oder ein Glas Wein?

Nach den Prinzipien der Ökonomie könnte ich Nummern auf die gezählten Erbsen drucken. Dann wäre der Computer - Erbsenzähler eine wertgenerierende, wertsteigernde Maschine. Ich könnte die numerierten Erbsen als Multiples verkaufen und sie in das System der Repräsentation entlassen.

Ich habe entschieden etwas anderes zu tun: Ich werde warten bis die Schüssel voll mit gezählten Erbsen ist. Dann werde ich einen Topf auf den Herd stellen, die Erbsen einfüllen und eine deliziöse Erbsensuppe kochen, zu der alle eingeladen sind!
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A Fairy Tale

Recently, when I was trying to find out the error in my HTML code, the fairy tale of Cinderella came to my mind. Cinderella's step mother has emptied a dish of lentils into the ashes. Cinderella has the task of picking them out again. What a Sisyphean task, endless repetition of the same procedure.

However the story-teller is mercyful and sends her a swarm of doves to help her. They pick out the good lentils within a few minutes. Later on the doves will proove their unerring judgement again and peck out the bad sisters' eyes.

"And thus, for their wickedness and falsehood, they were punished with blindness all their days."

And what about Cinderella? Cinderella's reward is the marriage with the king's son. But will this wedding make a change to her situation? From now on she will sort gold and jewelry instead of lentils or peas.
So what is the difference?
Cinderella is an image of virtuousness. She gets her place on the mights' side, because she reproduces its rules of the good and the evil. The logic of this fairy tale resembles very much the logic of the computer. A computer is nothing else than these doves of Cinderella: a counting machine that is capable of distinguishing between zeroes and ones.
It deals with quantities in accordance with the principle of equivalence. The input must follow its binary logic. Can the outcome be more than what I have typed in before? Is it like this? Is the output an identical repetition of the input?

Short Excursus on Counting

Counting is repeating, like I am repeating this tale recalling a situation I experienced before. The number of repititions (1, 1 1, 1 1 1 1) is set equal with a value: 1 = 1, 1 1 = 2, 1 1 1 = 3. The single terms of the row (1, 2, 3,...) are the result of the repetition of identical operations. But at the same time they are not equal in relation zu each other. As soon as something is beeing counted, is beeing measured by divisible quantities, one deals with categories of equality and inequality. If an amount shall be counted it must be identified in its parts. Counting implies categories and definitions to sort the pieces according to them.

Other people count in order to fall asleep...

The Computer and the Aspects of the Pea

Pondering about this I decided to connect the computer with its own reflection. What, if I would plug in a Pea Counting Interface?
Will the process of being counted affect the condition of the peas? Will there be a change in the status of the computer if it is confronted with it's own redundance? What kind of movement could emerge from the inner resonance of this double image?

In many cultures small things such as stones or seeds were used for calculating, later as currency. Circulating as currency peas or stones become part of a symbolic order: they represent a certain value within a constructed system. This value makes it possible to equate one thing with another, and,for example, to trade with them.

Recently somebody told me: You can pay me on a symbolic level. Give me some bottles of good wine instead of paying me money. So, what's more symbolic: a piece of paper with a figure on it or a glass of wine?

In accordance with the principles of economy, I could print numbers on the counted peas. Then the computer / Pea Counter would be a value-generating, value-adding maschine. I could sell the numbered peas as multiples and let them join the system of representation.

But I have decided to do something different: I will wait until the dish is full of counted peas. Then I'll put a pot on the stove, fill in the peas, cook a delicious pea soup and invite my friends to join the meal!
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